Frau Holle

Kaum eine andere Figur ist mehr mit dem kalten Wintermonaten verknüpft wie Frau Holle. Dabei wurde sie erst durch die Christianisierung zu einer Märchenfigur gemacht, die die Betten schüttelt, damit es auf der Erde schneit. fullsizeoutput_4c6f

Der Ursprung von Frau Holle oder Percht oder Hel oder Frigg liegt allerdings schon tausende Jahre zurück. Als Mutter- und Erdgöttin wurde sie von den germanischen und keltischen Völkern verehrt. Man vermutet, dass Frau Holle die Göttin Frigg – also Odins Frau darstellt. Aufgespalten wurde sie dann in die Märchenfigur Frau Holle und in den alpenländischen Gegenden in Frau Percht (Perchta). Auch die Unterweltgöttin Hel soll Frau Holle entstammen. In den Rauhnächten zwischen dem 25.12 und dem 6. Januar zieht Frau Holle (Perchta) über das Land. Sie wollte, dass die Arbeit in der stillen Zeit ruht: kein Spinnrad sollte sich drehen, keine Wäsche gewaschen. Das würde Unglück im neuen Jahr bringen. Wenn Frau Holle am Rad der Zeit dreht und das Schicksal bestimmt, haben alle anderen Räder stillzustehen.

Laut jahrtausendealten Überlieferungen war Frau Holle eine Schutzgöttin der ungeborenen Seelen, welche sie behütend unter ihrem Gewand trug. Wer sich sehnlichst ein Kind wünschte, rief Holla an und warf eine Opfergabe in den Frau Holle Brunnen, welchen es tatsächlich gegeben haben soll in den „Zauberwäldern“ im Werratal in Hessen. Auch aus anderen Märchen kennen wir den magischen Teich oder Brunnen bei Kinderwunsch. Alles geht auf Frau Holle zurück, der Hüterin der Schwelle. War sie früher die Schutzgöttin der Frauen und die Kinderbringerin, wurde ihre Bedeutung im Patriarchat umgedeutet auf eine böse Alte, die die Kinder stiehlt. Am Saaleufer soll sie die ungeborenen Seelen von der jetzigen Welt in die Anderswelt geführt haben, damit die christlichen Missionare ihnen nichts anhaben konnten. Sie zog sich zurück und war traurig über die Entwicklung der Menschen – ihre einstigen Schützlinge.

„Wir sitzen unterm Hollerbusch und machen alle husch, husch, husch.“ Ein sehr altes volkstümliches Kinderlied. Hier wird Frau Holle deutlich, deren Baum/Busch der Holunder ist und die Kinder hütet. Das „husch, husch, husch“ könnte eine Aufforderung sein, um -von ihr geschützt- in die Anderswelt zu gelangen.

Der Holunder ist eins der kräftigsten magischen Gehölze und ebenso als Heilpflanze erweist sie ihren wertvollen Dienst. In der Naturmedizin wurde und wird fast alles vom Holunder als Schmerzmittel eingesetzt: Fieber- und Schweißtreibend, ausleitend. Anwendung bei Bronchitis und Lungenentzündungen, Zahn- und Ohrenschmerzen. Holunderwasser zum Abführen und Stärkung der Leber, Galle & Milz. Das Fruchtmus des Holunders ist voller Vitamine und daher gut für das Immunsystem. Doch frisch verzehrt sind Hollerbeeren giftig, man bekommt davon Brechreiz und Übelkeit.